Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.
 
 

Artikel von Kai Engelke aus dem FOLKER, Ausgabe 02.14

 

Folkcomedy aus dem Butjadinger Land

Ruhwarder Saitenhiebe

 

Was ist das Besondere an dieser Folkband, die eine Veranstaltungshalle mittlerer Größe an zwei aufeinanderfolgenden Tagen ausverkauft? Weshalb drängeln sich lächelnde Menschen fortgeschrittenen Alters in der feuchten Kälte Nordenhams schon eineinhalb Stunden vor Konzertbeginn in Trauben vor dem Eingangsbereich des Konzertgebäudes? Woran liegt es, dass im Zusammenhang mit der Butjadinger Folkformation Ruhwarder Saitenhiebe immer wieder der Begriff „Kult“ fällt?

 

Durchaus nicht alltäglich ist der präzise fünfstimmige Satzgesang, der die Gruppe zeitweilig wie die guten The Mamas & The Papas klingen lässt oder fast schon verblichene Erinnerungen an die Seekers weckt. Zudem verfügt die Band über gleich zwei versierte Violinistinnen, die dem Gruppensound, insbesondere wenn es um die Interpretation irischer Songs geht, eine ganz spezielle Note verleihen können.

 

Auch die Vielzahl der zum Einsatz gebrachten Instrumente geht sicherlich über das übliche Maß hinaus: Violinen, Gitarren, Harps, Flöten, Tombak, E-Bass, Bouzuki, Bodhran, Handharmonika, Konzertina, Tin Whistle, Cajon und Löffel.

 

Was die Ruhwarder Saitenhiebe allerdings wirklich unverwechselbar macht, liegt in der Person des Frontmanns Bernd „Bulti“ Bultmann begründet. Er spielt recht gut Gitarre und singt auch ganz passabel. Aber das allein kann es nicht sein. Bulti ist in Wirklichkeit ein humoristisches Naturtalent, ein Entertainer in des Wortes ursprünglichster Bedeutung. Er versteht es, ein Publikum mit nur sparsamen Gesten, unter Verzicht auf nahezu jegliche Mimik und mittels nur weniger Worte, die meist wie aus Versehen daherkommen, zu wahren Begeisterungsstürmen und nicht enden wollenden Lachsalven hinzureißen. Und das über einen Zeitraum von mehr als zwei Stunden. Seine Zwischenbemerkungen, Liedeinführungen, Gedichte, Witze, Anekdoten – egal ob geplant oder spontan – sind stets originell und meistens mit überraschenden Wendungen. Der „Gruppenchef ohne Einfluss“ ist ein Meister des humoristischen Minimalismus.

 

Das Lied- und Songmaterial wirkt auf den ersten Blick wie zufällig, ohne eine erkennbare Linie. Da steht „The Lonesome Boatsman“ von Finbar Furey neben „And The Band Played Waltzing Mathilda“ von Eric Bogle, nach Carl Michael Bellmanns „So troll´n wir uns“ erklingt die eigene Bearbeitung eines Beatles-Klassikers auf Plattdeutsch. Egal, ob The Nitty Gritty Dirt Band oder Helmut Debus, Bobby Sands oder The Hollies, Hein Hoop oder Allan Taylor – die Ruhwarder Saitenhiebe singen und spielen die Lieder und Songs, die sie mögen, die etwas mit ihrer eigenen Geschichte zu tun haben. Durch die sorgfältigen Arrangements passt alles zueinander, klingt wie aus einem Guss. Hannelore Müchler, Kathrin Torkel, Dominique Wempe, Uwe Kessens und Bernd „Bulti“ Bultmann schaffen es spielerisch, hohe Musikalität und bestes Entertainment miteinander in Einklang zu bringen.

 

Musikalischer Genuss mit viel Humor

Ruhwarder Saitenhiebe spielen zweimal vor ausverkauftem Haus – Vielfältiges Repertoire

Bernd Bultmann sorgte für witzige Einlagen. Das Publikum war begeistert.

Maren Boekhoff, NWZ vom 19.01.2015

 

Nordenham Unter dem Motto „Singer & Songs“ haben die Ruhwarder Saitenhiebe am Freitag und Sonnabend ihre beliebten Jahreskonzerte in der zweimal ausverkauften Jahnhalle gegeben. Die fünf Musiker, die sich ursprünglich in erster Linie dem Folk verschrieben haben, widmeten sich sowohl deutschen als auch englischen sowie populären und weniger bekannten Liedermachern aller Genres.

Bernd (Bulti) Bultmann führte mit viel Witz durch den Abend und kümmerte sich um die Ordnung: „Ich bin der Chef, ich muss für Qualität sorgen.“ Da wurden nicht nur die Kollegen scherzhaft gerügt, sondern auch mal Zuschauer („So eine Nervensäge!“) zur Ruhe gerufen.

Mit „Heute hier, morgen dort“ vonHannes Wader eröffneten die Musiker den Konzertabend. Der Song beleuchtet das unstete Leben der Folkmusiker in den 70er Jahren. „Bei uns ist das nicht so“, betonte Bulti, der humorvoll die Bandmitglieder vorstellte.

Humorvolle Vorstellung

Kathrin Torkel (Geige, Gesang) gilt als einzige Profimusikerin der Saitenhiebe, da sie Musik studiert hat. Sie ist Biologie- und Musiklehrerin. „Lieber gleichberechtigt als später“, ist laut Bulti ihre Devise. Dominique Wempe (Bass, Geige, Gesang) ist Krankenschwester. Ihr schreibt Bulti das Motto „Lieber Wein, Weib und Gesang als Männer und Gegröle“ zu. Multiinstrumentalist Uwe Kessens („Der spielt alle Instrumente, aber keins richtig“) ist Grundschullehrer. Mit Irish Bouzouki, (Akkord-)Mundharmonika, Konzertina, Cajon und weiteren Percussions sowie seinem Gesang trägt er gekonnt zur Vielfalt der Band bei.

Bulti (Gitarre, Gesang) ist ebenfalls Lehrer. Seine Devise: „Lieber zwei Ringe unter den Augen als einen am Finger.“ Hannelore Müchler (Gesang, Gitarre, Flöte) ist laut Bulti nach dem Motto „Lieber drei Stunden Bank als gar kein Schlaf“ als Bankkauffrau tätig.

Dank der lockeren Sprüche war die Stimmung gut. Auch musikalisch begeisterten die Saitenhiebe. Sie spielten „Hotel California“ von den Eagles, „Turning Away“ von Mary Black (Bulti: „Erschließt sich dir der Text?“ Uwe: „Nö.“), ein Medley von Joan Baez und „Am Fenster fliegt eine Kuh vorbei“ von Element of Crime. Zum Repertoire gehörte auch „depressive Musik“ von Leonard Cohen. Bei dessen „First we take Manhattan“ gab es mit Brahms ungarischem Tanz Nr. 5 in g-Moll Klassikeinflüsse zu hören, virtuos gespielt von Kathrin Torkel. Mit Crosby, Stills and Nashs „Lay me down“ bewiesen die Musiker, dass sie auch Stücke beherrschen, die „noch nie geklappt haben“.

Der Band geht es nicht um Perfektion, sondern um den Spaß und die Freude. Dabei erfinden sich die Musiker immer wieder neu. Die Band besteht bereits seit 20 Jahren, davon 10 Jahre in der aktuellen Besetzung. Von den Saitenhieben gibt es nicht nur Folk und Plattdeutsches zu hören, sondern immer wieder auch etwas Unerwartetes.

Nach der Pause lagen Saal und Bühne im Dunkeln. Hanne Müchler sang – ganz berührend – das Lied „Die blinde Katharina“. Gerade bei den ruhigen Tönen wie Sillys „Bye, bye my Love“ kam Gänsehautgefühl auf. Das lag vor allem an den fünfstimmig gesungenen Passagen, die auch a cappella voll überzeugten. Gesanglich können die Ruhwarder Saitenhiebe die volle Bandbreite von Tenor bis Sopran abdecken und begeisterten damit ihr Publikum.

Kohl und Kerze

Für Abwechslung sorgten neben comicartigen Illustrationen die spaßigen Bulti-Einlagen. Dazu gehörte ein Quiz mit drei Freiwilligen aus dem Publikum. Hauptgewinn war eine Saitenhiebe-CD, zweiter Preis ein Candlelight-Dinner, das aus einem Glas Grünkohl und einer Kerze bestand.

Für eine Überraschung sorgte Sven Lüdtke. Der Tontechniker der Jahnhalle verließ für den Song „Lowlands“ sein Mischpult, um die Band am Bass zu verstärken. Als Zugabe gab es „Row Hide“ von den Blues Brothers, John Ryan´s „Polka“ und „Gute Nacht Freunde“ von Reinhard Mey – mitgesungen von allen.

Musikalische Reise mit Humor

Ruhwarder Saitenhiebe spielen zweimal vor ausverkauftem Haus

Bulti und seine Kollegen präsentierten sich in Topform. Das Publikum war an beiden Abenden begeistert.

von Bettina Reck, NWZ, 22.01.2013

Nordenham Der Name ist Programm und könnte nicht treffender sein. Das wussten auch die Zuhörer, die am Freitag und Sonnabend zu den Konzerten der Ruhwarder Saitenhiebe kamen. An beiden Abenden war das Kulturzentrum ausverkauft. Einige Besucher nahmen mit Stehplätzen Vorlieb, um dabei sein zu können.

Seit 19 Jahren machen die Ruhwarder Saitenhiebe Musik, seit knapp 5 Jahren in der aktuellen Formation. Die fünf Mitglieder sind Bernd Bultmann (Gitarre, Moderation), Hannelore Müchler (Gesang, Flöte und mehr), Kathrin Torkel (Geige, Gitarre und Gesang), Dominique Wempe (Geige und Gesang) und Uwe Kessens (Gesang, Gitarre, Mundharmonika, Ziehharmonika und mehr).

Sie bezeichnen sich selbst als Butjadinger Folkband, aber ihr Repertoire ist weitaus größer, als man es von einer Folkloreband erwarten würde. Und spätestens als Bernd Bultmann in Opernmanier „Funiculi, Funiculi“ von Luigi Denza und Peppino Turco losschmetterte, war klar: Wer braucht schon Caruso, wenn Bulti da ist?

Die Zuhörer belohnten seine Arie mit donnerndem Applaus, und der war an diesem Abend immer wieder zu hören. Vor allem wenn Bulti, wie er von seinen Bandmitgliedern liebevoll genannt wird, ins Plaudern kam und einmal mehr bewies, dass der Name Ruhwarder Saitenhiebe durchaus auch anders geschrieben werden könnte.

Es hagelte verbale Seitenhiebe im ständigen Wechsel mit den Liedern. Ebenso abwechslungsreich war dabei auch das musikalische Angebot. „Multi-Kulti-Bulti“, so der Name des Programms, ließ bereits darauf schließen, und genau dieser Anspruch wurde mehr als erfüllt.

Die Ruhwarder Saitenhiebe nahmen ihre Zuhörer auf eine musikalische Weltreise mit. Beginnend in Europa ging es über Amerika und Afrika nach Australien und China, um dann wieder in Europa, genauer in Schottland, zu landen.

Doch ebenso abwechslungsreich wie die Auswahl der Lieder war auch die Darbietung. Ob mit Sombrero oder Bluesbrothers-Hüten. Die Saitenhiebe machten fast drei Stunden eine gute Figur und sangen sowohl in deutscher, englischer, polnischer, französischer und sogar in gälischer und schwedischer Sprache. Die Übergänge moderierte Bulti locker flockig. In keinem Moment schien seine Moderation einstudiert. Selbst seinen Bandmitgliedern rang er etliche Lacher ab. Kathrin Torkel erklärte dem Publikum, eigentlich hätten sie ja Order, nicht mitzulachen, aber viele seiner Witze wären auch für sie neu.

Nicht anders erging es dem Publikum: Bei seiner Moderation nicht zu lachen, war fast unmöglich. Seine feinen Spitzen auf George Bush, Angela Merkel und Lothar Matthäus, seine kleinen sozialpolitischen und gesellschaftlichen Seitenhiebe, versteckt in Witzen und kleineren Anekdoten, unterhielten gekonnt.

Und so verwunderte es nicht, dass die Zuhörer so ganz und gar nicht einverstanden waren, als Bulti das letzte Lied ankündigte. Es wurde so lange geklatscht, bis die Band noch einmal auf die Bühne kam und sich mit drei weiteren Stücken endgültig verabschiedete. Und selbst nach dem üppigen Nachschlag war manch ein Besucher noch nicht satt.

Das Publikum erlebte einen mehr als gelungenen Abend. Und so mancher Zuhörer freut sich schon jetzt auf eine baldige Neuauflage.

 

Beatles und Beach Boys op platt

Konzert Ruhwarder Saitenhiebe begeistern Publikum in der ausverkauften Jahnhalle

 

von Christian Schöckel (Nordwest-Zeitung 17.01.2012)

Nordenham - Es gibt Bands, die haben diesen Kultfaktor. Die haben ihr Publikum schon erobert, bevor sie so richtig durchstarten. Die Ruhwarder Saitenhiebe gehören zweifellos in diese Kategorie. Kein Wunder, dass die Nordenhamer Jahnhalle am Sonnabend ausverkauft war.

Hannelore Müchler, Kathrin Bruncken, Dominique Wempe, Uwe Kessens und Bernd Bultmann präsentieren seit mittlerweile 15 Jahren Musik vom Feinsten: alles was gefällt – Shanty, A-cappella, irische Folklore und Pop, ein bisschen was Französisches und plattdeutsche Balladen.

Als das Quintett am Sonnabend zum Programm „Allns platt“ in die Jahnhalle einlud, wartete die Fan-Gemeinde wieder vollzählig und ungeduldig. Alle Plätze waren besetzt. Eilig mussten noch Stühle herbeigeschafft werden, um den Platz auf der Galerie auszunutzen.

Und los ging‘s mit dem Titel „Barbara Ann“ von den Beach Boys – natürlich „op Dorpplatt“. Ob Polka oder Blues, Helmut Debus oder Liederjan, die Volkswaise vom Vetter Michel oder die Beatles mit ihrem Ohrwurm „Yesterday“ – den Saitenhieben war nichts tabu. Und dem Publikum gefiel’s. Genüsslich lehnten sich die Besucher zurück und ließen sich durch die Melodien und die manchmal poetischen, manchmal aber auch kernigen Texte einfangen.

Bernd Bultmann alias Bulti begeisterte wieder einmal mit seiner frechen Moderation. Zum Beispiel bei jener Geschichte über den Jungen aus dem Gülle-Dorp: „Egal, wo er hinkommt, jeder weiß, wo er herkommt.“ Und zwischendurch streute er gepfefferte Witze ein, deren Pointen immer unerwartet hereinbrechen. Es ist schon kultig, wie Bernd Bultmann es schafft, die Schenkelklopfer ganz locker, eher beiläufig, unters Volk zu bringen. Der Abend in der Jahnhalle wurde so zu einem kurzweiligen Vergnügen – Zugabe inklusive.

 

 

Harmonie ohne Rührseligkeit


Nordenham. „Multi – Kulti – Bulti“ lautete am Wochenende das Motto in der Jahnhalle. Die Ruhwarder Saitenhiebe brachten das Kunststück fertig, gleich an zwei Abenden für ein ausverkauftes Haus zu sorgen. Mit ihrer abwechslungsreichen Liedauswahl, erstklassigem Gesang und Zusammenspiel und mit einer gehörigen Portion trockenen Humors erreichten sie ein restlos begeistertes Publikum.

von Jürgen Lange (Kreiszeitung Wesermarsch 21.01.2013)

Die Ruhwarder Saitenhiebe mit Bernd Bultmann, Uwe Kessens, Hannelore Müchler, Dominique Wempe und Kathrin Torkel hatten sich dieses Mal eine musikalische Weltreise vorgenommen. Wunderschöne Titel aus allen Ecken dieser Welt hatte das Quintett zusammengetragen und interpretierte es mit komplexen mehrstimmigen Arrangements.

Wieder einmal überzeugten die Ruhwarder Saitenhiebe mit ihrem gut aufeinander abgestimmten Satzgesang. Dass bei so viel Harmonie und mitunter sehr nachdenklichen Texten keine Rührseligkeit aufkam, dafür sorgte in gewohnter Weise Bernd „Bulti“ Bultmann.

Er wusste zu jedem Land, das musikalisch bereist wurde, einen passenden Witz zu erzählen. Der kürzeste Witz über die Iren lautete so: „Geht ein Ire am Pub vorbei.“

Aber auch in den dargebotenen Stücken fand sich viel Humor wieder. So präsentierten die Ruhwarder Saitenhiebe das Stück „Tequila“ aus Mexiko auf eine sehr überraschende Weise mit Boomwhackers.

Mit dem acappella vorgetragenen „Think of me“ aus Afrika wurde der zweite Teil des Abends eingeläutet. Hier verblüffte das Quintett mit Liedern in Gälisch, Polnisch und Schwedisch.

Sogar aus China hatte die Band einen Song angekündigt. Uwe Kessens kam dazu eigens als Chinese verkleidet und mit Zimbeln bewaffnet auf die Bühne.

Hinter dem Song aus China verbarg sich jedoch „Die Kaulquappen im Ententeich“ – ein Klassiker von Insterburg & Co. Zu einem Highlight geriet auch „Funiculi, Funicula“ aus Italien, das von Bulti dermaßen pomadig vorgetragen wurde, dass einige Zuhörer sich vor Lachen nicht wieder einkriegten.

Natürlich ließ das Publikum die Gruppe erst nach mehreren Zugaben von der Bühne. Erst dann konnte Bulti zum heimischen Fernseher eilen, um die Übertragung aus dem Dschungelcamp zu genießen. Die hatte er sich redlich verdient.